Der
Kurfürst bewilligte dem Projekt im Jahre 1789 die für die
damalige Zeit riesige Summe von 3 Millionen Taler. Das ganze
“Kanalvorhaben” sollte in fünf Abschnitten zur Ausführung kommen:
1. Schiffbarmachung
der Unstrut von Artern bis Großjena und der Saale bis Weißenfels,
2. Schiffbarmachung der Saale von Weißenfels bis Merseburg und
von da im Luppekanal bis Leipzig,
3. Von Leipzig Kanal nach der Mulde bei Wurzen,
4. Kanal von Leipzig nach der Elbe bei Torgau und
5. Regulierung der Schwarzen Elster bis Hoyerswerda und von
da Kanalverbindung nach der Spree, der Neiße und Queis.
In den ersten Tagen des Jahres
1791 errichtete der vom Kurfürsten als Oberbauleiter beauftragte
Mende sein Büro in Bottendorf an der Unstrut. Bald stellten
sich auch die Bauleute, Schiffbauer, Steinmetzen, Zimmerleute,
Maurer, Schmiede, Schlosser und andere Handwerker ein, um an
den 12 großen Unstrutschleusen mit zu arbeiten. Der Lohn der
2000 Arbeiter, die auf Jahre hinaus Beschäftigung fanden, betrug
7 Groschen für die Maurer und Zimmerer, 5 Groschen für die Handarbeiter
und 15 Groschen für die Steinmetzen, während die größeren Arbeiten
im Akkord vergeben wurden.
Für den Transport der Baumaterialien
wurden acht Schiffe gebaut. Am 19. November 1793 fuhr das erste
Unstrutschiff durch die Tröbsdorfer Schleuse, wobei der Graf
von der Schulenburg Böllerschüsse abfeuern ließ. Im nächsten
Jahre, 1794, wurden die 12 Unstrutschleusen und die drei Saaleschleusen
vollendet. Sie hatten je 16000 Taler gekostet. Im April 1795
wurde sodann die Fahrt auf der Unstrut und Saale von Artern
bis Weißenfels gegen ein Schleusengeld von 6 Groschen für jedermann
freigegeben. Im Jahre 1795 kam Kurfürst Friedrich August mit
kleinem Gefolge von Leipzig nach Weißenfels, um von hier aus
die vollendeten Schleusen zu besichtigen, wobei er überall mit
vielen Ehrenbezeugungen empfangen wurde.
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Die Eröffnung der
Schifffahrt
blieb nicht ohne Einfluss auf die Landschaft und ihre Bewohner.
Sie veränderte an vielen Stellen das alte Flussbild, indem sie
z.B. die Mündung der Unstrut 1868 aus der Gegend am “Wasserschlößchen”
nach dem “Blütengrunde” verlegte. Das Städtchen Nebra wurde
wegen seiner zentralen Lage im Flussgebiete Hauptort für den
Unstrutverkehr. Als wichtiges neues Gewerbe für den Ort entwickelte
sich, aus den Fischern hervorgehend, der Schifferberuf. 1793
erwähnt das Nebraer Kirchenbuch Nr.II den ersten Steuermann
Richter und den Schiffer Hammer. 1820 ließ sich der Schiffsbaumeister
Füssel und der Schiffbauer Peschke, beide aus Schöna bei Schandau,
in Nebra nieder. Nebra mit seine kleinen Werften versorgten
ein großes Gebiet auf Saale und Unstrut mit Lastkähnen. Im alten
Fährengasthofe “Zur Sorge” versammelten sich einträchtig die
drei Berufe, Steinmetzen, Schiffer und Schiffbauer zu Innungstreffen.
Im großen und ganzen wurden zwei Arten von Schiffen hergestellt:
Die kleine Ausführung “Hengst” oder “Gille” genannt, hatte nur
eine Kajüte und war aus Fichtenholz gebaut. Die größere Art
mit 4000 Zentner Ladegewicht und zwei Kajüten war aus Eichenholz
gearbeitet. Bei einer Kahnbreite von durchschnittlich fünf Meter und einer Länge von 42 Meter betrug der Tiefgang der leeren
Schiffe 30 Zentimeter, beladen aber 1,30 Meter, so das der Schiffsrand
nur noch 25 Zentimeter über Wasser stand. Die bekanntesten Schiffseigentümer
im 19 Jahrhundert waren: Wurm (Schönewerda) mit 12 bis 14 Schiffen,
Zuckerfabrik Vitzenburg mit acht bis zehn, der Bürgermeister
von Nebra mit zehn, Hoffmann (Wangen) mit sechs bis acht, Töpfer (Nebra)
mit vier Schiffen. Die Blütezeit der Saale-Unstrut Schifffahrt
liegt zwischen den Jahren 1822 - 1889. Mit der Eröffnung der
Unstrutbahn im Jahre 1889 begann der Niedergang der
Unstrutschifffahrt.
Aber erst 1958 wurden
die letzten 250 Tonnen-Schiffe der Zuckerfabrik in Vitzenburg
an Land gezogen. Bis zum Durchbruch des Freyburger Wehres 1970
befuhr der Wasserbau den Fluss mit Schleppern, Schuten, Prahmen,
Baggern und Wohnschiffen.
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Ausflugsschiffen
der “Weissen Flotte” gelang es noch bis 1974 Freyburg zu erreichen,
dann wurde jeglicher Schiffsbetrieb auf der Unstrut eingestellt.
Die knapp 72 Kilometer ehemaliger Reichswasserstraße wurden
mit Abriss von Wehren und dem Zuschütten von Schleusen unbefahrbar
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Erst
1993 begann mit dem Wiederaufbau des Freyburger Wehres und dem
Ausgraben der verfüllten Schleuse gegen die Widerstände grüner Bürokraten
eine Renaissance des alten Wasserweges.
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